Kuriositäten



Seit über zehn Jahren habe ich unzählige verlassene Fabriken, Industrieruinen, Villen und Krankenhäuser fotografiert. Was ich zu sehen bekam, zeigt zum größten Teil diese Webseite. Es gibt jedoch auch Szenen, die unter normalen Umständen nicht in die Fotosammlungen der einzelnen Projekte gefunden haben.
Kuriositäten, die ihren Platz an dieser Stelle finden. Viel Spaß beim durchstöbern dieser ganz besonderen Galerie.

Kurios: Etwas, was merkwürdig ist, vom Üblichen bzw. Normalen abweicht und deshalb Aufsehen erregt.
Duden
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Mit Abstand das Skurrilste war ein Schweinehirn in der Zeche Zollverein. Als 2002 bekannt wurde, dass die Kohlenwäsche der Zeche vollständig entkernt werden sollte, machte ich mich zusammen mit Fotografen aus der Industriekultur-Szene auf, die Kohlenwäsche fotografisch zu dokumentieren.

Was ich nicht wußte: Im elektrischen Schaltraum der Kohlenwäsche gab es viele Jahre vorher eine
Ausstellung von Studenten der Universität Essen. Man hatte nach Beendigung der Ausstellung das Schweinehirn einfach vergessen.
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Dieses Foto, 2006 in der ehemaligen Stärkefabrik Hundhausen bei Ahlen aufgenommen, zeigt eine Zeitung von 1987. Im Jahr nach der Atomkatastrophe von Tchernobyl steht dort ein nachdenklich machender Artikel: "Verseuchte Molke wird Viehfutter". Das rund 5000 Tonnen radioaktiv verseuchte Molkepulver wird nach wochenlanger Irrfahrt durch die Bundesrepublik (Zwischenlagerung in Eisenbahnwaggons) zu Viehfutter verarbeitet.

Die "
Bequerel-Suppe", die nun Nutztiere als Futter bekamen, gelang letztendlich durch die Nahrungskette (Milchprodukte, Fleisch) auch zu uns Menschen. Ist doch super gelaufen, oder?
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Ich staunte nicht schlecht, als ich in der Garage einer verlassenen Villa in der Nähe von Spa diesen BMW 3.3 Li fand. Der Oberklassewagen aus den 70er Jahren wurde intern E3 genannt und war noch kein 7er.

Ob der Wagen fahrbereit ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedoch war alles dran und drin, was man braucht.
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Eine Gasbodenfackel von innen gesehen zeigt sich dem geneigten Besucher der Kokerei Zollverein. Die Gasbodenfackel dient zum Verbrennen von überschüssigem Gas bei Betriebsstörungen. Ein Nebenprodukt der Kokerei ist bekanntlich Gas, welches aufbereitet in das Ferngasnetz geleitet wird. Treten bei der Aufbereitung und / oder bei der Abnahme des Gases Störungen auf, musste das Gas irgendwo hin. Hier wurde es verbrannt.

Die Fackel ist 18 Meter hoch und ist mit feuerfestem Material ausgekleidet.

Das Bild zeigt den Blick nach oben, die Nachmittagssonne erlaub ein Spiel mit Licht und Schatten.
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Auf dem Grund des ehemaligen Olympischen Dorfes in Berlin von 1936 stehen diese verlassene Plattenbauten. Die Wohnungen sind bis auf einige Gegenstände ausgeräumt, sanitäre Einrichtungen, Heizungen etc. entfernt. Die Wohnanlage gehörte wahrscheinlich zur benachbarten Löwenkaserne. Ich gehe stark davon aus, dass es Familienunterkünfte für die bis 1992 stationierten russischen Soldaten waren.

Beim Durchstreifen des Geländes sehe ich auf einmal ein
Reh, das kurz nach der Aufnahme das Weite suchte. Wer sich mehr erschreckt hat, der Fotograf oder das Reh, darf an dieser Stelle geraten werden. Das Tier ist im Bild auf der rechten unteren Seite zu erkennen.
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Einige Jahre nach meinen ersten Erfahrungen mit vergessenen Schweinehirnen stieß ich auf dieses Objekt. Ich kann nicht sagen, was sich in diesem Gefäß befand, jedoch stank es erbärmlich.

2007 fand ich dieses
Einweckglas in der Küche des Chateau ter Meeren.
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Dieses Bild zeigt die Kinder der ehemaligen Zeche Chrobry in Waldenburg (Niederschlesien, Polen). Kaum bin ich aus meinem Auto ausgestiegen, umringten mich die Kinder und wichen mir nicht mehr von der Seite. Als ich meine Kamera ausrichtete, um diese Aufnahme zu machen, stellten sich die Kinder wie bei einem Familienportrait vor das Haus, während das Mädchen bei mir blieb.

Die Kinder kamen gleich nach der Aufnahme wieder zu mir und ich hatte das Gefühl, das sie irgendetwas erwarteten. Unterhalten konnten wir uns nicht. Ich konnte kein Polnisch, sie konnten kein Deutsch. Aus meinem Auto holte ich einige meiner Essensvorräte und verteilte diese. Mit gemischten Gefühlen fuhr ich anschließend weiter.



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Reichlich kurios war diese Szene auf dem Dach eines verlassenen Bürohaues in Duisburg. Wie der Rollstuhl auf das Dach gekommen ist und was das für einen Sinn hatte, entzieht sich meiner Kenntnis.

Der Blick über Rheinhausen war jedoch grandios.
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Seltsam war auch diese Szene. Die Fotografie zeigt eine kleine, private Sternwarte, die sich im Garten eines zu diesem Zeitpunkt bereits abgerissenen Hauses befindet. Die Bauarbeiter haben das Bauwerk verschont.

"
Ein Dorf muss weichen" ist die Fotogalerie des verlassenen Dorfes Pier, das ich 2009 besucht habe. Mittlerweile dürfte dort nichts mehr stehen. Der Energiehunger unserer Gesellschaft kennt keine Grenzen. So wurden und werden ganze Dörfer dem Tagebau weichen. Die Bewohner erhalten zwar Entschädigungen, müssen jedoch ihre Heimat, ihre Wurzeln verlassen. Ein Haus, eine Landschaft, Menschen, Freunde, Leid und Freude, Geburt und Sterben --- alles findet an Orten statt. Diese Orte werden vernichtet. Darunter liegt wertvolle Kohle, aus der Strom gemacht wird.
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Eine reichlich kuriose Szene habe ich bei meinem Besuch der Festung Schoenenbourg erlebt. Nach einer kurzen Fahrt durch den örtlichen Wald erreichte ich den Besucherparkplatz der Bunkeranlage. Dort kommen mir Soldaten in alten Uniformen entgegen, sie tragen teilweise Waffen bei sich. Mit meinem Auto muss ich durch eine Schranke fahren. Den Schlagbaum öffneten Kinder, die ebenfalls Uniformen und ein Holzgewehr trugen.

Diese merkwürdige Szene vervollständigte sich, als auf dem Parkplatz alte Armeefahrzeuge und eine qualmende Suppenküche mit Mannschaftszelt bereitstanden. Bin ich in eine Zeitanomalität geraten? Auf Nachfrage erhalte ich die Antwort: Ein Ehemaligenverein organisiert hier an der Festung ein Treffen mit den alliierten Befreiern.
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Das Gurkenglas von Beelitz ist ebenfalls eine Kuriosität. In einem Angestelltenwohnhaus in der Nähe des Männersanatoriums finde ich dieses geöffnete Riesengurkenglas auf einem verrostetem Nachkriegskühlschrank.

Das verlassene Haus war so marode, dass ich mehrmals mit dem Fuß durch den Boden gebrochen bin. In das obere Geschoss habe ich mich nicht gewagt. Die dunkle Materie an Türrahmen und Wand sind übrigens Pilze. Guten Appetit.
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In einem verlassenen Märchenwald finde ich diese kuriose Szene. Im Hexenhaus fummelt die freizügige Hexe an der Hose von Hänsel herum. Wie diese Konstellation zustande gekommen ist, kann und will ich nicht beantworten.

Die meisten Puppen, die ich hier auffinde, könnten jedoch genauso gut in einem Horrorfilm Verwendung finden. Sie sind entstellt worden oder der Zahn der Zeit hat sie verändert. Der Mikrokosmos, in dem ich mich hier befinde, stellt das krasse Gegenteil dessen dar, wofür er erschaffen wurde.
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Dieses Bild steht stellvertretend für die unzähligen erotischen Darstellungen in Spinden oder Werkstätten schwerindustrieller Betriebe. Die Kokerei Anderlues, die hier abgebildet ist, ragte jedoch in Sachen pornografischer Quantität heraus: Selten habe ich so viele PinUps oder ganze Heftsammlungen aufgefunden. Die Geschmacksausrichtung war in diesem Falle durchaus recht breit gefächert.
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Die Pathologie eines Krankenhauses an sich ist schon ein skurriler Ort, jedenfalls wenn man ihn in einem verlassenen Zustand aufsucht, um zu fotografieren.

Das Bild zeigt eine Flasche Seife auf einem verdreckten Handwaschbecken. Wenn Sie genau hinschauen und etwas Fantasie haben, sehen Sie im oberen Drittel der Flasche ein Gesicht: Augen, Nase, Haare. Der
Flaschengeist des Sanatorium Delirium.