Stacks Image 24

Pier - Ein Dorf muss weichen


Tagebau in Deutschland

Der Energiehunger unserer Gesellschaft kennt keine Grenzen. So wurden und werden ganze Dörfer dem
Tagebau weichen. Die Bewohner erhalten zwar Entschädigungen, müssen jedoch ihre Heimat, ihre Wurzeln verlassen. Ein Haus, eine Landschaft, Menschen, Freunde, Leid und Freude, Geburt und Tod - alles findet an Orten statt. Diese Orte werden jedoch vernichtet. Darunter liegt wertvolle Kohle, aus der Strom gemacht werden soll.

Ich besuchte
Pier im Frühjahr 2009 mehrmals und konnte die Veränderungen recht deutlich erkennen. Bei meinem letzten Besuch in 2010 waren nur noch eine Handvoll Häuser bewohnt. Die verlassenen Häuser sind in der Regel leer und verrammelt. Die Natur erobert sich die Lebensräume. Die Hinterhöfe sehen teilweise aus, als ob die Familie gleich vom Einkaufen zurückkommt. Vor dem Friedhof steht ein Leichenwagen: Die Gräber werden umgebettet. Nachdem die Häuser geleert werden, finden Rodungen statt, danach kommt der Bagger zum Abreißen. Nachdem auch die Straßen und die Kanalisation entfernt werden, kann der große Tagebaubagger kommen und alles vernichten.

Durch die leeren Straßen weht ein kalter Wind der Erinnerungen. Im Hinterhof bewegt dieser Wind die Schaukel, auf der nie wieder ein Kind sitzen wird. In den verlassenen Wohnungen wird es nie wieder nach Kaffee riechen, der kurz vor der Frühstück durch die Maschine läuft. Für Einige ein neuer Anfang, für die Meisten jedoch ein Schmerz: Wenn die Heimat irgendwann nicht mehr existiert.

Linkempfehlung: "Pier - ein Ort stirbt" von
Joonu-Fotografie