Stacks Image 24

Ospedale Psichiatrico Volterra


Die Psychiatrie von Volterra, mitten in der Toskana gelegen, war wohl die Hölle auf Erden. In dem Komplex waren bis zu 6000 Menschen gleichzeitig untergebracht. 200 Patienten mussten sich 20 Waschbecken in 2 Bäder teilen. Nicht nur die hygienischen Zuständen waren unmenschlich, auch das Alltagsleben in der Anstalt.

Wer nach Volterra geht, kommt nie wieder
Das ist mehr als ein Spruch: 10% der
Insassen von Volterra starben an den Folgen der Elektroschocktherapie, 40% aufgrund der hygienischen Zustände und 50% starben einfach aus Kummer. Diese Anstalt war kein Einzelfall. Viele Psychiatrien in Italien waren in einem desolaten Zustand. Erst mit den Reformen von Basaglia von 1978 wurden viele Psychiatrien geschlossen. Damals wurden 70.000 geisteskranke Menschen in die Freiheit „entlassen“. Aus Anstalten, die eher einem Gefängnis glichen...

Die Kritiken an der traditionellen Psychiatrie: In vielen Fällen handele es sich um eine "Ausgrenzungs- und Verwahrpsychiatrie", in der katastrophale, menschenunwürdige Zustände herrschten. Die Patienten würden, teilweise lebenslang, gesellschaftlich isoliert, entmündigt und lediglich verwahrt, anstatt behandelt und rehabilitiert zu werden.

Berühmtester Insasse der Psychiatrie von Volterra war Fernando
Oreste Nannetti, der sich selbst NANOF, NOF oder NOF4 nannte. Diese Abkürzungen benutzte Nannetti, wenn er seiner nicht vorhandenen Verwandtschaft Briefe schrieb. NANOF hat seine Geschichte mit der Gürtelschnalle in den Putz des Innenhofes geritzt. Auf einer gigantischen Länge von 180 Metern sind Geschichten aus einem Paralleluniversum geritzt. Im Buch seines Lebens tritt NANOF zuweilen selbst auf: Als nuklearer Einbrecher, Astraloberst oder Raumschiff-Ingenieur.

Ein eiskalter Hauch der Geschichte durchdringt mich, als ich im Innenhof der Anstalt vor der Mächtigkeit dieser eingeritzten Poesie stehe. Feuchtigkeit und Frost nagen am Putz, der abzubröckeln droht. Das Buch von NANOF ist für immer verloren, wenn es nicht in geeigneter Form konserviert werden kann. Im Zweifelsfalle eben auch fotografisch. NANOF wurde 1948, im Alter von 21 Jahren, wegen Beamtenbeleidigung inhaftiert. 10 Jahre später kam er in die geschlossene Abteilung von Volterra. Hier verblieb NANOF, bis er 1973 in das Krankenhaus von Bianchi verlegt wurde. Nannetti verstarb in Freiheit im November 1994. Fast sein ganzes Leben verbrachte er hinter Gittern, die nicht nur seine Freiheit begrenzten.

Toskana: Weinbau mit Geschichte
Die Landschaft der Toskana ist die Quintessenz Italiens: Verwunschen wirkende Dörfer und mittelalterliche Städte liegen eingebettet in sanfte grüne Hügel, an deren Hängen üppige Reben gedeihen. Doch der Weinbau in der Toskana liefert nicht nur eine malerische Kulisse für den perfekten Sommerurlaub. Dank einer Jahrtausende alten, aber dennoch sehr lebendigen Tradition werden hier einige der besten Weine Europas produziert.

Weinbau im Herzen Italiens
Ihren Namen verdankt die mittelitalienischen Region Toskana den Etruskern, die das Gebiet besiedelten, bevor das römische Reich entstand. Bereits damals wurden hier verschiedene Rebsorten kultiviert, aus denen Wein gekeltert wurde. Unter römischer Herrschaft erlebte der Weinbau eine erste Blüte. Aber auch die mittelalterlichen Mönche wussten das milde Klima und die fruchtbare Erde der Toskana zu nutzen und legten zahlreiche Weinberge an. Wie die damaligen Weine schmeckten, ist leider nicht mehr nachvollziehbar, auch wenn einige der heute angebauten Rebsorten vermutlich ihre Wurzeln in der Antike haben. Der heute bekannte Chianti wurde erst im 19. Jahrhundert entwickelt. Nachdem in der Toskana lange Zeit vor allem billige Tafelweine produziert wurden, setzte schließlich in den Siebzigern ein Umdenken ein. Dank einer Kombination aus bewährten Weinbautraditionen und innovativer Technik ist die Toskana heute die Heimat zahlreicher hochwertiger Charakterweine.

Mehr als nur Chianti
Die prägende Rebsorte der Toskana ist der Sangiovese, der die Grundlage für den weltbekannten Chianti, aber auch für etliche andere regionale Rotweine bildet. Dank des abwechslungsreichen Terrains bildet er in den unterschiedlichen Anbaugebieten der Toskana jeweils ein einzigartiges Geschmacksprofil aus, so dass sich die Weine deutlich unterscheiden können. Es lohnt sich deshalb, wie das
Weinportal, bei einer Weinprobe verschiedene Lagen zu vergleichen. Für Weinkenner ist auch der Brunello die Montalcino interessant, der aus einer Unterart der Sangiovese-Traube hergestellt wird und ausschließlich rund um den Ort Montalcino angebaut wird. Wer Dessertweine liebt, wird in der Toskana ebenfalls fündig. Der Vin Santo, der "heilige Wein", wird noch heute auf überlieferte Weise aus luftgetrockneten Traubenbeeren gekeltert.

Update 2010: Wie mir Michael und Sigrid berichten, ist Volterra zwar noch zu betreten, jedoch komplett leergeräumt. Auch Spuren von Vandalismus gehen nicht an diesem Objekt vorbei.

Aufnahmen von März 2008.