FAQ - Alles was du über Urban Exploring wissen wolltest, aber nie zu fragen wagtest.



Wie bist Du darauf gekommen, solche Fotografien zu machen?
Als ich 1998 von der ländlich geprägten Nordseeküste in das Ruhrgebiet gezogen bin, begeisterten mich die unzähligen Industrieanlagen. Die gewaltigen Größenverhältnisse, mächtige Maschinen und eine einzigartige prozessorientierte Architektur waren Treiber für die Fotografie der „
Industiekultur“. Ich hatte den starken Drang, diese Eindrücke in irgendeiner Form festzuhalten. Der Fotoapparat schien mir das geeignete Medium. Durch meinen damaligen Mentor Christian Brünig erlernte ich die Architekturfotografie, wie sie heute noch in meinen Bildern eine große Rolle spielt.

Ab 2004 gingen mir die industriellen Motive aus. Industrieanlagen wurden aufgrund der hohen Schrottpreise recht schnell
abgerissen. Meinen erstes nicht-industrielles Objekt war das Hospital „Le Valdor“ in Lüttich (Belgien). Von da an packte mich das Thema „Urban Exploring“ unaufhaltsam.

Wie findest Du diese verlassenen Gebäude?
In deiner Stadt musst du nur die Augen aufhaben. Es gibt fast überall Häuser oder alte Fabriken, die verlassen sind. Überregional bin ich mit zahlreichen Explorern befreundet und in geschlossenen Internetforen vernetzt. Wir tauschen dort unsere Objekte und Informationen aus.

Wie verschaffst Du Dir Zugang in die Gebäude?
Wenn ich ein Loch im Zaun finde, eine offene Tür oder ein offenes Fenster, betrete ich das Gebäude ohne etwas zu beschädigen. Und das ist auch mein Grundsatz. Ich verschaffe mir niemals mit Gewalt einen Zugang. Das bedeutet im Zweifelsfalle aber auch, dass ich in vielen Gebäuden einfach nicht hineinkomme.

Sind Deine Unternehmungen legal?
Urban Explorer betreten vergessene Gebäude, die seit Jahren niemand betreten hat. Bedingt durch unmotivierte Besucher, die mit ihrem Vandalismus großen Schaden anrichten, wird es immer schwerer, sich von diesem Personenkreis zu distanzieren.

Was findest Du so interessant bei der Erkundung der urbanen Räume?
Wir leben in einer Wegwerfkultur. Alles kann entsorgt werden: Personen, Plastik, Prinzipien. Ein Film, der vor zehn Jahren gedreht wurde, gilt als alt. Eine Fernsehserie, die vor 5 Jahren gedreht wurde, ist ein Klassiker. Handys und Computer sind nach wenigen Jahren alt und müssen ersetzt werden. Funktionelle Gebäude, voll von klassischer Architektur und Geschichte, werden abgerissen, um an der selben Stelle neue und größere Gebäude zu errichten.

Wir reißen unsere eigene Vergangenheit ab und steuern in eine uns unbekannte Zukunft. Dabei sind unsere Wurzeln das Wichtigste, was wir haben. Durch meine Fotografien habe ich die Möglichkeit, diese todgeweihten Objekte zu erleben und sie festzuhalten. Die Veröffentlichung auf meiner Webseite ermöglicht allen anderen Personen, diese Erfahrungen zu teilen.

Ich möchte das auch machen, auf was muss ich achten?
Gehe niemals alleine in diese alten, verlassenen Gebäude. Es kann wirklich gefährlich sein: 2011 kamen 2 Urban Explorer ums Leben. Ich möchte nicht, dass du diese Orte betrittst. Schaue dir lieber meine oder
andere Fotos im Web an. Antworten zu richtigen Ausrüstung gibt es hier.

Ist eine Tür verschlossen, breche sie nicht auf. Ich lehne jede Gewalt ab, um in ein Objekt einzudringen. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, wonach sich jeder Explorer halten sollte: „Take nothing but photos, left nothing but footprints“

Leider gibt es viele unmotivierte Besucher dieser Orte, die alles zerstören, was ihnen in die Hände kommt.
Vandalismus ist ein sehr großes Problem, was uns Urban Explorern immer wieder vor Problemen stellt. In diesem Zusammenhang ist auch eine kleine Rechtskunde zu beachten.

Wann hast Du mit dieser Webseite begonnen?
Die Webseite startete im Frühjahr 2001 unter dem Namen „dubtown Industriekultur“. In 2004 wurde Urban Exploration zum Schwerpunkt meiner Arbeit, die Seite heißt seitdem „dubtown urban exploring“. Mittlerweile findest Du mehr als 130 verschiedene Objekte und über 4000 Fotos auf dubtown. Details zur Entstehung der Webseite findest Du hier.

Kannst Du beschreiben, wie es sich in diesen verlassenen Gebäuden anfühlt?
Es ist, als ob man sich im Auge eines Hurrikans befindet: Draußen auf der Straße fließt das Leben vorbei, die Welt um mich herum dreht sich viel zu schnell. Durch ein offenes Fenster klettere ich in das verlassene Haus. Durch die schmutzigen, grauen Gardinen dringt ein gedämpftes Licht in den Raum. Ein feuchter, fast aufdringlicher, modriger Duft nimmt mich ein. Es ist still, viel zu still in diesem Haus.

Wer sich in diesen Momenten öffnet, dem werden Geschichten erzählt. Geschichten aus einer besseren Zeit: Aus einer Zeit, in der die Farben intensiver waren und das Licht heller. Geschichten über Nächte voll von Wundern. Geschichten über Freundschaften, voller Fluss und Leben.

Gefangen in einer Welt, belastet durch Wunsch und Ehrgeiz gibt es die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden. Hier finde ich diese Erfüllung. Für einen kleinen Augenblick bin ich nicht mehr auf dieser Welt. Zeit spielt keine Rolle mehr, materielle Dinge haben keinen Wert.

Hat Urban Exploring auch eine sozialen oder politischen Hintergrund?
Definitiv. Oftmals haben die Objekte eine lange Geschichte. Siehe Dir die „
Anstalt Waldniel-Hostert“ an: Die Nazis haben dort behinderte Kinder ermordet. Es fiel mir sehr schwer, dort zu fotografieren. Dieser Ort - voller Schrecken und Ungerechtigkeit - das darf nicht in Vergessenheit geraten.

Nicht nur in der „
Psychiatrie von Volterra“ (Italien) wurden grauenhafte, menschenverachtende Versuche mit den Insassen gemacht. Erst mit den großen Psychiatriereformen (Psychiatrie-Enquête) Mitte bis Ende der 70er Jahre in Europa erhielten auch geistig erkrankte Menschen einige Rechte.

Hier in Europa haben wir zahlreiche Zeugen des kalten Krieges. Verlassene Flughäfen, Kasernen oder nukleare Abschussrampen. Nach und nach verschwinden diese Objekte von den Landkarten. Sie werden abgerissen oder erhalten eine Nachfolgenutzung. Vergessen ist so leicht...

Inszenierst Du Deine Fotos?
Ich inszeniere keine Fotos. Alles, was du auf meinen Fotos siehst, habe ich so vorgefunden. Die einzige Manipulation, die ich vornehme, ist die Nachbearbeitung der gemachten Fotografien. Es kann aber durchaus passieren, dass ich Dinge fotografiere, die zuvor jemand zuvor inszeniert hat.

Kannst Du mir (Hör-)Bücher zum Thema Urban Exploring empfehlen?
Auf der Seite
Klaus Lipinski findest Du eine große Auswahl an Büchern. Ein sehr gelungener Roman, den ich uneingeschränkt empfehle, ist "Creepers" von David Morell, den Du z.B. hier in iTunes kaufen kannst.

Woher stamm der Name DUBTOWN?
Als ich Ende der 1990er Jahre begann, mich für Webdesign zu interessieren, hörte ich bereits seit fast 20 Jahre
Reggae. Eine von mir sehr geschätzte Spielart des Reggae's ist DUB. Ich machte also damals eine Webseite über Reggae und Dub und nannte sie dubtown. Da man jedoch kaum etwas über Musik schreiben kann, ohne gegen geltende Urheberrechte zu verstoßen, benutze ich die Domain dann ab 2001 für die Ausstellung meiner Fotos. Die funktionsorientierte Architektur der Industrieobjekte hat etwas mit dub gemein: Sie ist reduziert. Reduziert auf das Wesentliche.

Mit welchen Tools hast Du DUBTOWN erstellt?
Als CMS verwende ich
Rapidweaver. Es gibt zahlreiche Themes, die man zur Aufhübschung benutzen kann. Man muss sich in diese Software recht intensiv einarbeiten, um sehenswerte Designs zu kreieren. Die Bilder bearbeite ich mit Adobe Lightroom.

Mit was für einer Kameraausrüstung machst Du Deiner Bilder?
Als Kamera kam bis Frühjahr 2015 eine
Fujichrome S5Pro zum Einsatz. Sie hat zwar nur 6 Megapixel netto, jedoch einen hervorragenden Sensor, mit dem kontrastreiche Aufnahmen gelingen. Als Basis nahm Fuji eine D200 von Nikon und verbesserte zahlreiche Details. Nach 7 Jahren wurde es Zeit, eine neue Kamera einzusetzen. Nach ausführlichem Studium des Marktes habe ich mich 2015 für eine Nikon D7200 entschieden. Es liegen Welten zwischen beiden Geräten. Meine Objektive kann ich weiterhin benutzen. Ich benutze zwei verschiedene Objektive: Im Weitwinkelbereich das Nikkor 10-24mm und als Universalobjektiv Nikkor 16-85mm. Weiter gehört zur Ausstattung noch ein recht schweres Stativ. Einen Blitz benutze ich nicht.

Eine gute Anlaufstelle für jede Art von Fotoausrüstung ist
enjoyyourcamera. Allein zum Thema Stativ hat die Internetseite mit Online-Shop über 20 Unterseiten mit zahlreichen sehr speziellen Produkten vom kleinsten Gewindeadapter bis zu professionellen Schwebestativen für schwere Steadycams. Darüber hinaus finde ich dort auch interessante Infos über neue Produkte und Weiterentwicklungen und kann dann anhand der Beschreibungen selbst entscheiden, ob die Anschaffung für meine Bedürfnisse sinnvoll ist oder nicht.