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Brandt Zwiebackfabrik


Vor genau 100 Jahren, im Oktober 1912, gründete der Bäcker- und Konditormeister Carl Brandt gemeinsam mit seinem Bruder die Märkische Zwieback- und Keksfabrik C. & F. Brandt GmbH in Haspe, einem heutigen Stadtteil von Hagen. Das Ziel der Brüder war es, Zwiebacke und Biskuit in gleichbleibender hohen Qualität preiswert auf den Markt zu bringen. Die beiden wussten damals noch nicht, dass sie mit dieser Idee Geschichte schreiben werden.

Die Zwieback-Herstellung wurde bereits 1929 mechanisiert und eine selbst entwickelte Zwieback-Schneidemaschine kam zum Einsatz. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen bereits
700 Mitarbeiter. Der Brand Markenzwieback wurde schon damals in einer "Frischbleibe-Packung" verkauft, die bis heute im Einsatz ist. Im selben Jahr zierte auch zum ersten Mal das "Brandt-Kind" die Verkaufsverpackung. Eine Packung Zwieback kostete damals 85 Pfennige. 1956 wurde dem Firmengründer Carl Brand für seine Verdienste um die deutsche Ernährungswirtschaft das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. Zehn Jahre später starb er und seine Frau Betty übernahm die Geschäftsführung und zeigte großes soziales Engagement.

Nach dem Tod von Betty Brandt in 1984 wurde der Adoptivsohn des Firmengründers, Carl-Jürgen Brandt, alleiniger Gesellschafter des Unternehmens. In der Zwischenzeit gab es zahlreiche Zukäufe in Formen von Firmenübernahmen. 1990 stieg der Umsatz der Brandt-Gruppe erstmals die 500 Millionen Mark-Grenze.

Verlagerung der Produktion nach Thüringen
Bis hierhin liest sich die Firmengeschichte der Hagener Traditionsfirma wie aus dem Märchenbuch. Jetzt wird es schmutzig. Der Standtort Hagen soll aufgegeben und in Thüringen neu aufgebaut werden. Das Land Thüringen machte der Firma Brandt ein Angebot: Vermutlich wurden ca. 25 Millionen DM Baukosten für eine neues Werk in Ohrdruf übernommen werden. Insbesondere die Stadt Hagen, aber auch das Land NRW versuchte, mit besonders günstigen Flächenangeboten und Fördermitteln gegen den Abzug der Produktion zu kämpfen. Alle Anstrengungen hatten keinen Erfolg, da die Landesmittel Thüringens u.a. aus dem Solidaritätsbeitrag kamen.

In Hagen wurden durch diesen steuersubventionierten Umzug fast 500 Mitarbeiter arbeitslos. Wolfgang Clement, der damalige Ministerpräsident von NRW, nannte diesen Umzug mitsamt den Fördermaßnahmen eine "Vergeudung volkswirtschaftlicher Ressourcen". Der letzte Zwieback in Hagen lief am 5. Dezember 2003 vom Band.

Bei meiner erlaubnisfreihen Begehung der großflächigen Produktionshallen waren die meisten Maschinen bereits entfernt. Jahrelang stand das Objekt auf meiner Wunschliste. Ich kann nicht sagen, warum ich mir so viel Zeit gelassen habe. Trotz fehlender Inventaren konnte man den Betriebsablauf, die Produktionsprozesse noch gut erkennen: Rohstofflagerung, Teigherstellung, Backen, Lagerung und Auslieferung. Die Fabrik ist aktuell nicht vom Abriss bedroht, Teile hiervon sollen einer gewerblichen
Nachfolgenutzung zugeführt werden.

Links zum Thema:
Zeitungsbericht "
Von Brandt blieb nur die Brücke" (Westfälische Rundschau, Dezember 2011)
Zwiebackfabrik Brandt als
Themenroute der Route Industriekultur
Website der
Firma Brandt