Ausweichsitz NRW


In der Eifel ist ein beängstigendes Stück Zeitgeschichte zu finden: Ein Atombunker im Originalzustand. Der "Ausweichsitz der Landesregierung Nordrhein-Westfalen" ist ein Bunker, der während des Kalten Krieges als Ausweichmöglichkeit für die hiesige Landesregierung gedient hätte. Das Bauwerk wurde 1965 fertiggestellt und 1993, wenige Jahre nach der Wende, aufgegeben. Fast 50 Jahre wurde er streng geheim gehalten.

Das Ende des zweiten Weltkriegs hat zwar Frieden gebracht, jedoch verhärteten sie die Fronten der Großmächte USA und Sowjetunion zunehmend. Es war die Zeit des
Kalten Krieges: Kubakrise (1962), Mauerbau (1961) und atomare Aufrüstung waren Kernthemen in dieser Zeit. Aufgrund der Tatsache, dass jederzeit ein Atomschlag ausgeführt werden konnte, machte man sich um Sicherheitsmaßnahmen Gedanken.

Unter hohe Geheimhaltung wurden in der ganzen Bundesrepublik für die jeweiligen Landesregierungen sogenannte Ausweichsitze errichtet: Atombombensichere Bunker. Im Falle einer atomaren Auseinandersetzung konnte hier die gesamte Landesregierung untergebracht werden. Krisenstäbe würden von hier aus Maßnahmen zum Schutz des Bevölkerung steuern. In der Eifel steht der Ausweichsitz der Landesregierung NRW. Fast 30 Jahre lang musste er ständig betriebsbereit gehalten werden. Seit 1997 ist der Atombunker im Privatbesitz der Familie Röhling. Seit 2009 kann man den Bunker
besichtigen.

Das Bauwerk ist etwa 1000 m² groß und geht 16 Meter in die Tiefe. Hinter den fünf Meter dicken Betonwänden, von der Außenwelt hermetisch abgeschnitten, konnte man 30 Tage lang überleben. Der Eingang ist als Doppelgarage getarnt und steht neben einem unauffälligen Wohnhaus am Ortsrand von Urft. Der Bunker wurde so konzipiert, dass er einen Volltreffer durch eine Bombe mit einer Tonne Explosionskraft ausgehalten hätte. Ein indirekter Treffer einer etwa 15 Kilotonnen starken Atombombe (Hiroshima) hätte der Bunker ebenfalls überstanden. Jedoch waren schon bei Baubeginn des Bunkers Nuklearwaffen in den Arsenalen der beiden Supermächten, deren Zerstörungskraft jede Vorstellung überstieg. Bereits 1961 testeten die Sowjets eine der gewaltigsten Atombomben der Menschheitsgeschichte: Die
Superbombe "Zar" war mit 60.000 Kilotonnen etwa 4000 Mal stärker als die Atombombe von Hiroshima. Ein trauriger Rekord.

Seien wir froh, dass dieser Bunker niemals ernsthaft zum Einsatz kam.

Links zum Thema:
Bericht auf "einestages":
Logenplätze für den Weltuntergang
"Warn-Amt Eifel": Fotodokumentation des WDR
Radiobeitrag des WDR zum Thema
Wiki zum Thema "Kubakrise"
Geschichtsunterricht zum Anfassen - Spiegel Online