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Ospedale Neuropsichiatrico Villa Sbertoli


Wenn das eigene Kind krank ist, unternehmen Eltern alles nur erdenkliche, um zu helfen. Signore Sbertoli tat das auch. In seiner Villa, die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, versuchte er, seinen geisteskranken Sohn zu heilen. Ein Leben lang. Nach seinem Tod vermachte Sbertoli sein gesamtes Vermögen der Wissenschaft, um weitere Behandlungsmethoden zu erforschen. Die Villa Sbertoli wurde eine psychiatrische Anstalt. Mit den Jahren entstanden im Park der Villa universitäre Einrichtungen, in denen noch heute geforscht und unterrichtet wird.

Ich stehe an einem verregneten Vormittag vor dem mehrstöckige, mediterranen Bau der Villa Sbertoli. Der gelbe Putz bröckelt von den Außenwänden, vertrocknete Palmen im Vorgarten. Das könnte auch in Kuba sein. Die ehemalige Neuropsychiatrie ist als geschlossene Anstalt verwendet worden. Vor jedem Fenster gibt es Gitter. Die Räume im Erdgeschoss sind voll von Kinderzeichnungen, die immer wieder Kriegshandlungen zeigen. Bärtige Männer mit Gewehren, verletzte Frauen und Kinder, Waffen, Blut. Jedoch sind die Zeichnungen zu hoch angebracht, um von Kindern gemalt worden zu sein. Es müssten Zeichnungen von Erwachsenen gewesen sein. Was wird mich hier noch erwarten?

Weiter oben ein großer Saal mit riesigen Gemälden und einem Klavier. Durch die eingeschlagenen Scheiben zieht ein warmer Wind durch den Raum und weht einen Haufen Papier mit den EEG-Aufzeichnungen (Gehirnstrommessungen) durcheinander. Gepolsterte Türen, die nur an der Außenseite einen Türgriff haben, Patientenakten auf dem Fußboden im Dreck liegend. Untersuchungsgeräte aus dem Horrorkabinett, Patientenliegen mit Gebissspuren im Polster. Der Wahnsinn ist hier noch so nah.

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- Der
Spurensammler zur selben Zeit am gleichen Ort.

Update 2010: Michael und Sigrid aus Österreich berichten, dass die Villa zugemauert wurde. Somit gibt es keine Möglichkeit mehr, das Anwesen zu betreten.
Update 2017: Parco berichtet, dass die Villa wieder zugänglich sein soll. In einem Nachbargebäude scheint jemand zu leben. Vielen Dank für die Info.