Der zweite Weltkrieg hat überall auf der Welt Spuren hinterlassen. In der Regel sind es Reste von Wällen oder Festungen. In Großstädten findet man oft Bunkeranlagen, die zum Schutz der Bevölkerung errichtet wurden. Die meisten dieser unterirdischen Anlagen sind im Laufe der Zeit zugeschüttet worden, viele Bunker sind im Grundwasser abgesoffen.
Auf allen Vieren krieche ich durch
eine etwa 30 Meter lange Röhre, schiebe die
Fotoausrüstung vor mir her. Meine Knie
schmerzen, die Luft wird knapp, die Enge um
mich herum belastet. Die Röhre war eben sehr
eng und von einem aufrechten Gang konnte
nicht die Rede sein, um ans Ziel zu
gelangen. Mit Gepäck und sei es nur der
Fotoapparat, war das Vorankommen noch
schwieriger. Immerhin gab es ausreichend
Licht, das durch
Lichtschächte in den Gang gelangen
konnte. Trotz aller Mühen war die Entdeckung
dieser alten Bunkeranlage ein ungeheures
Erlebnis, das einen unversehens wie mit
einer Zeitmaschine zwei Generationen
zurückschickte.
Endlich erreiche ich das Ende und finde mich in einer anderen Welt wieder. Das unterirdische Hospital liegt tief unter einer westdeutschen Großstadt. Die Bunkeranlage besteht aus drei Teilen: Teil 1 ist verschüttet, Teil 2 liegt zu großen Teil unter Wasser und nur Teil 3 ist vollständig begehbar. Im Krieg diente die ausgedehnte Bunkeranlage Schutz vor Luftangriffen für das angeschlossenen Krankenhaus. Wenngleich ich sehr viel mehr Gänge und Räume erwartet hätte. Jedoch ist ein großer Teil des Bunkers verschüttet. Vielleicht wären hier Antworten gewesen.
In den 70er Jahren erfuhr der Teil 2 der Bunkeranlage eine merkwürdige Folgenutzung. Dieser Teil des Objektes wurde dem damaligen technischen Standard angepasst und als Materialerprobungsbunker ausgebaut. Anscheinend wurden Panzerstähle auf ihre Schussfestigkeit erprobt. In dieser Zeit des
kalten Krieges ein durchaus erträgliches Geschäft.
Trotz entsprechender Ausrüstung und ausreichend Licht war der Einstieg mühsam und nicht ohne Risiko. Auffällig war die unterschiedlich erhaltene Bausubstanz, eine Mischung aus Naturstein und Beton.
Dies hätte ich jedoch ohne entsprechende
Leuchten auch nicht ohne weiteres
erkennen können. Wie gesagt, es waren - oder
besser gesagt - es sind Lichtschätze
vorhanden, die genügend Licht ins Innere
kommen lassen, damit man genug sieht, um
sich zu bewegen. Etwaige Details zu
erforschen, eben derlei Dinge wie die
Bausubstanz, war aber bei der vorhandenen
natürlichen Beleuchtung doch eher schwierig.
Aufnahmen von August 2007.