Am späten Nachmittag treffe ich im Hotel Waldeck ein. Einchecken brauche ich nicht: Alle Zimmer sind frei und an der Rezeption arbeiten schon viele Jahre mehr niemand. Der Vandalismus - ein unerwünschter aber ständiger Begleiter - ist im Erdgeschoss am intensivsten. Das ehemalige Hotel ist zugemüllt. Trotzdem gelingen mit einige sehr stimmungsvolle Aufnahmen in dem verwinkelten Anwesen. Der Hotelbetrieb beinhaltete neben mehreren Restaurants auch eine zweistöckige Spielhalle, eine Diskothek und Nachtbar.
Zu Lebzeiten muss hier allerhand losgewesen sein. Wo früher dumpfe Bässe die rauchgeschwängerte Luftmassen bewegten, junge Menschen ausgelassen tanzten oder konzentriert an den Spielautomaten ihr Glück versuchen, weht heute nur noch der laue Sommerwind durch die offenen Fenster.
Damals konnten junge Leute hier ihren
Lieblingsbeschäftigungen nachgehen. Ob sie
nun auf einen
Flirt aus waren, ob sie zu lauter
Discomusik bei entsprechender
Beleuchtung tanzen wollten oder ob sie
sich an den Spielautomaten vergnügen wollten:
Für alles war gesorgt. Sicherlich war das
Hotel, als es noch geöffnet hatte, ein
Anlaufort für Jugendliche und junge
Erwachsene der Umgebung. Groß genug war es
auch, sogar so groß, dass man es mit hoher
Wahrscheinlichkeit problemlos als
Tagungshotel hätte nutzen können.
Vielleicht fand es auch Verwendung in dieser
Form, man kann ja nie wissen. Es
bleibt mir ein Rätsel, warum von diesem
Hotel nur noch diese kläglichen Reste übrig
geblieben sind. Potenzial hinsichtlich
Attraktion und Besucher hatte das Anwesen
schon.
Die Dekorationen an den Wänden, die zurückgelassenen Spielautomaten sind übrig gebliebene, stumme Zeugen, die mich etwas an meine eigene Jugend erinnern. An eine Zeit, in der ich selber gerne in Diskotheken gegangen bin.
Mittlerweile wirkt das Hotel nicht mehr sehr
einladend.
Nach 3 Stunden Aufenthalt ist das Licht aus, es wird Zeit zu gehen.