Konzept und Idee - Hotel Eden: Der Fotograf Thomas Bocian dokumentiert mit seinen Fotografien den jetzigen Zustand des geschichtlich sehr bedeutenden Bochumer Hotels „Hotel Eden“, welches seit fünfzehn Jahren leer steht und mittlerweile ein „Schandfleck“ für den Stadtteil geworden ist. Die Serie dokumentiert einen der Vergangenheit angehörenden urbanen Lebensraum sowohl aus gewöhnlicher als auch ungewöhnlicher Perspektive. Jedes Bild, zusammengesetzt aus einem Detail und einer Übersicht, suggeriert einen fiktiven Zusammenhalt in Form, Stofflichkeit und Farbigkeit. Durch die ungewöhnliche Perspektive findet eine Symbiose zwischen Realität und Fiktion statt, sie zeigt Dinge, die bei normaler Betrachtung nicht sichtbar sind. In dieser Serie zeigt Thomas Bocian Spuren auf, die die Vorbesitzer hinterlassen haben, und weckt beim Betrachter die Neugier auf einen für sie verschlossenen Bereich aus einer perspektivischen „Aufsicht“ der abgebildeten Räume. Zusätzliche atmosphärisch geprägte Fotografien zeigen den sehr individuellen Charme der einzelnen Räume und runden den Gesamteindruck des Hotels ab. Anhand der Bilder zeigt der Fotograf, dass das Hotel, welches einst Zentrum des Lebens war, heute nur noch eine energetisch aufgeladene Hülle ist. Die Spannung der Fotografien ergibt sich aus der Ambivalenz der Reste des Lebendigen, die faktisch noch zu finden sind, und dem leer stehenden toten Hotel. Die Größe der Fotografien von circa 100cm x 60cm ermöglicht dem Betrachter lange vor dem Bild zu verweilen, Details zu erkennen und sich auf das Hotel einzulassen.
Geschichte - Hotel Eden: Das Hotel Eden wurde 1955 vom Architekten W. Knop entworfen und 1956 unter dem Bochumer Bauherrn F. H. Kleffmann erbaut. Nachdem das Hotel an der Rottstr. 1 errichtet wurde, erlebte es nur eine sehr kurze Phase des gewöhnlichen Geschäftsbetriebes. Bereits in den Sechziger Jahren bezahlten Prostituierte und ihre Freier die Zimmer im Stundentarif. Der jahrzehntlang schleichende Verfall schlug sich immer stärker in der Bausubstanz nieder. Von 1992 bis 1995 mietete die Stadt das Gebäude und nutzte es als Asylbewerberheim. Seitdem haben es kaum noch Menschen betreten. Vom geheimen Leben im Hotel Eden zeugen Gerüchte und Hinterlassenschaften. Von innen an die Fenster gesprühte Graffitis erinnern an Raver Partys, Reste von Kleidung, Verpackungen und persönlichen Gegenständen lassen vermuten, dass einst viele Obdachlose froh waren, in dem Hotel ein Dach über dem Kopf gefunden zu haben. Zuletzt sorgten Studierende des Fachbereichs Design der Dortmunder Fachhochschule für Aufsehen: Unter dem Titel „Irritationen in Eden“ zeigten sie im Jahr 2001 aufwändige Multimedia-Installationen in 14 Zimmern des Hauses. Die Designstudenten renovierten damals einige Zimmer, doch ihre Ausstellung war nicht von langer Dauer. Die Stadt-verwaltung beschloss, das Hotel zu schließen. Zu groß waren die Sicherheitsrisiken. Seitdem verfällt das Hotel und der Abriss scheint unausweichlich. Aber auch heute noch kann man im Vorbeigehen das Werk von Freigeistern erkennen. Wenn man nachts auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht und durch ein geöffnetes Fenster sieht, wie sich eine vergilbte Gardine bewegt, glaubt man Geister zu sehen; die Geister der Reisenden, der Prostituierten und Ihrer Kunden, der Asylbewerber, der Künstler. Wie ein Relikt aus längst vergessener Zeit wirkten bis vor kurzem noch die lebensecht großen Bilder zweier Portiers, die sich neben dem Haupteingang befanden. Sie schienen Reisende zu begrüßen, die niemals mehr ankommen würden.