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Anstalt Waldniel-Hostert

Kent School

Die Anstalt Waldniel-Hostert hatte eine sehr wechselvolle Geschichte. Hier wurden Menschen gepflegt und geheilt. Es wurde Unterricht erteilt - jedoch wurden hier auch Kinder ermordet. Bis 1932 wurde das St. Josefsheim Waldniel-Hostert nach und nach aufgebaut. Die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz aus Hausen bei Waldbreitenbach/Wied mussten ihre Arbeit jedoch 1937 beenden. Bis dahin pflegte man dort hilfsbedürftige Menschen, die körperlich oder geistig behindert waren.

Zwischen 1935 und 1937 begannen die Nazis, Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften systematisch zu schwächen. In Form von Prozessen musste der Orden hohe Geldstrafen zahlen, mehrere Brüder wurden wegen Sittlichkeitsdelikten verurteilt. Der Staat hatte nunmehr Gründe gefunden, den Aufenthalt der behinderten Menschen nicht mehr zu finanzieren. Der Orden ging in Konkurs, wurde verlassen.

In den Kriegsjahren wurden in der "Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Waldniel", wie man den Ort nun nannte, geistig behinderte Kinder und Jugendliche ermordet. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Behinderten jedes Lebensrecht abgesprochen. In seinem Rassenwahn erließ Hitler eine Verfügung, "die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichen Ermessen unheilbare Krankheiten bei kritischster Beurteilung der Gnadentod gewährt werden kann." 200.000 Menschen hat dieser Satz den Tod gebracht. Die Kranken wurden zunächst in entfernte Anstalten verlegt, um Spuren zu verwischen. Aus Waldniel-Hostert wurden laut Transportlisten 1044 Menschen in andere Anstalten verlegt...

Ab dem 18. August 1939 verlangte der sogenannte Runderlass des Reichsministers des Innern, dass zur „Klärung wissenschaftlicher Fragen auf dem Gebiet der angeborenen Missbildung und der geistigen Unterentwicklung“ Kinder mit bestimmten Behinderungen (Idiotie, Mikroenzephalie, Hydrozephalie, Missbildung jeder Art, Lähmungen) an den Reichsausschuss zu melden seien. Meldepflichtig waren insbesondere Hebammen und Ärzte in Entbindungsheimen. Der Reichsausschuss entschied über das weitere Schicksal der Kinder durch deren Einordnung in drei Kategorien:

- "keine weiteren Maßnahmen",
- "Beobachtung", das heißt Einweisung in psychiatrische Heil und Pflegeanstalt – Tötung vorbehalten und
- "Behandlung", das heißt sofortige Tötung. Insgesamt existierten über 30 solcher Fachabteilungen, eine davon war Hostert. Einzelmorde unter Verabreichung des Barbiturats Luminal fanden bis 1945 statt.

Die zur Tötung bestimmten Kinder erhielten zunächst Luminal-Tabletten. Sie schliefen hierdurch ein, bekamen nach dem Erwachen jedoch eine erneute Dosis dieser Tabletten. Die Kinder wurden zunächst bewusstlos, bekamen Atemnot und verstarben je nach Allgemeinzustand innerhalb von 3 - 8 Tagen unter Schleimaustritt aus Nase und Mund.

Bei meinen Recherchen zu diesem Objekt war ich über diese Tatsachen geschockt. Auch das Schreiben dieser Zeilen fällt mir nicht leicht. Ist es richtig, über die Euthanasie innerhalb dieses Rahmens zu berichten? Ja - ich glaube schon - denn diese Verbrechen dürfen sich unter keinen Umständen wiederholen!

In den frühen 50er Jahren nutzte die britische Besatzungsmacht das Objekt als Lazarett. In dieser Zeit entstanden auch einige Anbauten. 1963 begann die Umnutzung als "Kent School Hostert". Mehr als 1000 Jugendliche wurden dort unterrichtet. Ende 91 endete die Nutzung als britische Schule. Seitdem gibt und gab es einige Ideen für eine Nachfolgenutzung. Aktuell steht das Gebäude zum Verkauf.

Links zum Thema:
- Luminal
- Kinder-Euthasanie
- Alles über Waldniel-Hostert

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